Umbauarbeiten in der Wiener Experimentalphysik:

Es handelt sich hier um eine private Äußerung von Dr. A. Sarras, keineswegs um eine offizielle Stellungsnahme des Instituts für Experimentalphysik der Universität Wienö

Ein wahrheitsgetreuer Bericht, welcher offensichtlich derart den Nerv traf, daß die Bundesbaudirektion beim Institutsvorstand vorstellig wurde. Wen wundert es da noch, wenn gelegentlich Hörsaal-Decken herabstürzen, oder Brüstungen Studenten erschlagen!

Es soll hier keineswegs verschwiegen werden, daß die beschriebenen Mängel, nachdem wir die zuständigen Herren von der Bundesbaudirektion nachdrücklich darauf hingewiesen haben, mehr oder weniger (meist leider eher weniger) behoben wurden. Das die Behebung in Nachbesserungen und nicht in einer kompletten Neuausführung der Arbeiten (was eigentlich gerechtfertigt erschiene) endete, liegt augenscheinlich an der Ohnmacht der Bundesbaudirektion, den notwendigen Druck auf Firmen ausüben zu können bzw. zu dürfen.
Frustierend empfand ich persönlich vor Allem die Tatsache, daß diese offensichtlichen Mängel erst von uns beanstandet werden mußten. Wobei bei einer Gesundheitsgefährdung durch Asbest meiner Meinung nach eigentlich eine Strafanzeige durch das Institut hätte erfogen müssen.

Manchesmal müssen einige Umbauten, Adaptionen und Renovierungen vorgenommen werden:
Wie zum Beispiel dieser Raum, der nun, im November 1999, baulich fertiggestellt wurde. Dazu wurde nach Neuverlegen der Leitungen auch der ehemalige Dunkelkammerteil mit eine Schiebetür versehen. Lichtdicht, versteht sich. Am 5. November 1999 betrachtete ich mit einem Kollegen die wahrhaft meisterhafte hier geleistete Arbeit. Vorher hatten wir bereits die Qualität der Bodenbelagsarbeiten in diesem und einem anderen Raum reklamiert, was zu einer zwei-wöchigen Verzögerung durch die (sogenannten) Nachbesserungsarbeiten (der Fachausdruck heißt vermutlich Revanche-Reparatur) führte.
Nun standen wir vor dieser Schiebetüre, welche in ein kleines Laserlabor führen sollte. Selbstverständlich ist es notwendig, daß derartige Räume wirklich vollkommen verdunkelt werden können! Also haben wir die Türe geschlossen, und das Licht abgedreht. Der Umriß der Türe war nahezu durchgehend - bis auf die Bodenlinie, dort war nur ein 1cm langer Lichtfleck - ausgeleuchtet. Bei genauere Betrachtung der Schiebetüre fällt am Rahmen zunächst nur eine kleine Leiste an der linken Seite auf. Eigentlich fällt sie dadurch auf, daß sie am oberen Ende etwas absteht, und darunter ein doppelseitiges Klebeband als Befestigungsmittel sichtbar wird. Folgerung: Altes do-it-yourself-prinzip: "Da pick' ma halt a Leistl d'rüba!" Wirklich eine ausgesprochen professionelle Arbeit. Nun ist die Neugierde und der Drang von Naturwissenschaftlern, den Dingen auf den Grund zu gehen, vollends enthemmt. Also wird die ohnedies bereits teilabgelöste Leiste völlig entfernt. Hmm, ich kenne Gletscherspalten, die weniger bedrohlich aussehen. Diese Spalte ist unten mindestens 2cm weiter als oben. Betrachtet man die Sache aus einem anderen Blickwinkel, findet sich sehr rasch die Erklärung für die fehlende Lichtdichtheit der Türe. Beim Anblick dieser hochtechnischen Präzisionslösung fiel ich fast von der Leiter, es ist einfach überwältigend! Zugegeben, es mag ja sein, daß die Wände hier nicht alle im rechten Winkel zueinander stehen, oder perfekt gerade verlaufen, aber ich keine kein normales Gebäude, welches den Gesetzen der Geometrie folgt. Man beachte auch die liebevolle Detailverarbeitung im Vordergrund, da kann doch keiner sagen, die Handwerker wären nicht mit Hingabe an der Arbeit gewesen. Diese hochpräzise Arbeitweise springt einem ja auch bei geschlossener Türe mit Anlauf ins Auge, irgendwie wirkt alles etwas schief, diese Türe ist quasi der Quasimodo aller Türen ... Man soll allerdings nicht allzu kritisch sein, dafür, daß die Arbeiter nicht einmal eine Schraube richtig ins Holz brachten, muß man ja beim Rest richtig dem Himmel danken, daß kein gröberes Unheil geschah. Man stelle sich vor, derart qualifiziertes Personal richtet einen Operationsaal ein (In der Zwischenzeit ist (im Jahre 2001) im NIG Teil einer Hörsaal-decke herabgestürzt, wie durch ein Wunder kam niemand zu Schaden. Verantwortlich will übrigens keiner sein.) Andererseits, ich würde ja, wenn ich einen falschen Türstock als Blende montiere, zunächst die Schraublöcher vorbohren, und sie sodann für die Verwendung von Senkschrauben ankörnen. Nach dem Anbringen würden die versenkten Schrauben mit Kitt getarnt und anschließend die ganze Sache noch einmal gestrichen. Aber, ich bin ja nur ein dilettierender Laie, und kein professioneller Pfuscher! Auch von der Außenkante her betrachtet, wünschte man sich, die beauftragte Firma würde echte Pfuscher und Schwarzarbeiter beschäftigen (wer wirklich gearbeitet hat, ist mir natürlich nicht bekannt), dann wären da nicht Spuren, als ob ein Anti-Terror-Kommando Einlaß begehrt hätte. Dafür haben wir zum Ausgleich auch ein bißchen Natur bekommen, soweit dieser unbearbeitete Türstaffel zwischen zwei Kunstoffböden (eigentlich ist es ja ein und derselbe Boden) als Naturholz gelten darf.

Was mich gleich zu den Bodenbelagsarbeiten bringt. Auch diese wurden von einer professionellen Firma im Auftrag der Bundesbaudirektion durchgeführt. Nach unserer Reklamation wegen des Meeres und der Liebe Wellen am Fußboden, sowie der, eventuell für Geologen interessanten, Erstarrungsmuster der Versiegelung, wurde der Profi-Auftritt prolongiert. (Zum Zeitpunkt der ersten Reklamation habe ich noch keine Dokumetaraufnahmen gemacht, leider, die Galle kam mir erst später hoch!) Bei genauer Betrachtung des korrigierten Produkts sind nicht nur weiterhin Hochschaubahnfahrten möglich, dieses Mal wurde der Versiegelung offenbar Kehrricht beigemengt. Racheakt oder Unfähigkeit des Ausführenden?

Andererseits gibt es hier auch einigen gesundheitliche Gefahren, so wurden zum Beispiel die Heizkörperverschalung abgebaut, aus dem Raum entfernt, und dann restauriert und gestrichen wieder eingebaut wurden, aber bei der eigentlich unbegründeten Demontage derselbigen - nennen wir es eine Ahnung, oder auch wohlbegründete Paranoia, wer will uns hier eigentlich umbringen -, ließ sich feststellen, daß die jahrzehntealte Asbestbeschichtung noch immer vorhanden war. Diese Beschichtung zerfiel bei der geringsten Berührung zu feinem Staub, man stelle sich vor, das hängt dann genau vor einem Heizkörper. Ach ja, und sicherheitshalber gleich zweimal. Also, ob mich die Bundesbaudirektion inzwischen so haßt? Oder gab's auch hier keine Endkontrolle. Sollte ich als Nichtraucher jemals Lungenkrebs bekommen, war es wohl entweder fahrlässige Tötung oder ein langfristig angelegter Mordplan.

Es mutet ja fast kleinlich an, wenn man sich nun, nach der Renovierung eines Raumes, über aus der Wand gerissenen EDV-Anschlüsse mokiert! Das Photo existier leider nicht mehr, ist aber leicht vorstellbar, oder?

© A.Sarras, 1999

Inzwischen habe ich mit viel Glück einen Lungeninfarkt überlebt - bevor man mich verklagt: Ich behaupte nicht, daß hier ein ursächlicher Zusammenhang besteht! - und das Institut verlassen, und deshalb beschlossen, hier wieder jene Version darzustellen, wie sie vor der Intervention der Bundesbaudirektion beim Institutsvorstand im Netz war. Allerdings wurden, bis auf drei, die nicht mehr funktioniert haben, alle Bilder aus dem Text nach unten verlegt.

Toll, echt professionell! Spaltversuche?! Halt, da ist noch ein Spalt! Mit viel Liebe gemacht Irgendwas ist hier doch schiefgelaufen? Tatsächlich!! Schraube oder Kleiderhaken, das ist hier die Frage! Schlagseite! Aufmachen! Oder wir treten die Tür ein! Aufmachen! Oder wir treten die Tür ein! Natur pur! Die Aufnahme wurde, wegen der Lichtverhältnise in einem anderen Raum gemacht! Ja, wir haben zwei davon!!! Aussen hui ... ... innen pfui! Asbest! Seit längerer Zeit als hochgradig karzinogen in öffentlichen Gebäuden verboten!